Seenotrettung im Mittelmeer


Hallo liebe:r Unterstützer:in,

als wir Anfang August nach Ceuta aufbrachen, hatten wir die Hoffnung, dass wir nicht nur den gestrandeten Menschen helfen könnten, sondern auch einen Teil zur Entspannung der Lage vor Ort beitragen könnten. Denn, dass eine Stadt mit nur 80.000 Einwohner:innen nicht problemlos tausende Schutzbedürftige unterstützen kann, war klar. Dass Ceuta von Seiten der europäischen Politik alleingelassen wird und es nahezu keine staatlichen Hilfen gibt, ist ein Skandal. 

Wo Staaten versagen, handeln wir

Deshalb sind wir vor Ort und unterstützen lokale NGOs bei der Verteilung von Essen, konnten Decken und Matten für Mädchen bereitstellen und laden täglich hunderte Handys. Mit der Unterstützung von #LeaveNoOneBehind haben wir dafür nun einen Lastwagen vor Ort, solarbetrieben können wir am Strand jeden Tag bis zu 300 Handys laden.
Das Laden der Handys ist tatsächlich einer der wichtigsten Bedarfe, weil es sonst nirgends, auch nicht in offiziellen Camps, Lademöglichkeiten gibt. Der dadurch mögliche Kontakt zu Familien beruhigt die Menschen sichtbar.  Wo geladen werden kann, wird die Stimmung im Camp spürbar ruhiger.
Doch die Situation in Ceuta spitzt sich immer mehr zu: bei rechten Demonstrationen kam es bereits zu schweren Angriffen auf Geflüchtete, immer wieder gibt es Versuche, die Hütten am Strand niederzubrennen. Auch unser Team vor Ort wird bedroht und beleidigt, jemand hat versucht, unsere Reifen aufzuschlitzen, sie kamen nicht tief genug, aber die Spuren sind da. Rechte verbreiten online Lügen über unsere Arbeit. Ebenfalls erlebten wir Anfeindungen durch das Militär. Teammitglieder von uns, die bereits in aktiven Kriegsgebieten gearbeitet haben, empfinden die Situation in Ceuta als unberechenbarer und gefährlicher, weil man sich auf nichts verlassen kann: nicht auf die lokale Bevölkerung, nicht auf die Behörden, nicht auf das Militär.
Doch noch viel mehr als die Helfer:innen, werden die Geflüchteten das Ziel von Hass, vor allem nachts. 
Morgens werden verletzte Kinder zu uns gebracht, mit Pfefferspray in ihren Augen oder deutlichen Spuren von Schlägen und blauen Flecken. Zudem erreichen uns Berichte von Polizeigewalt bei der Essensausgabe.
Für die Geflüchteten gibt es in Ceuta keinen Ausweg - sie sind den Angriffen schutzlos ausgeliefert. Die Behörden müssen schutzsuchende Menschen endlich konsequent vor organisierter rechter Gewalt schützen.
Wir fordern, dass alle geflüchteten Menschen umgehend auf das europäische Festland in Sicherheit gebracht werden. Der Schutz dieser Menschen muss oberste Priorität haben!
 

Mit herzlichen Grüßen

Nolte
Vorstand von MISSION LIFELINE

 
Fotos: Madison Tuff 
MISSION LIFELINE International e.V.
Alle Fotos sind urheberrechtlich geschützt.

Gutes Tun kann so anziehend sein!


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